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Name: Heavy Rain
Entwickler: Quantic Dream
Publisher: Sony
Genre: Adventure
USK: 16+
     
Die erste Vorführung von Heavy Rain gab es für mich vor circa zwei Jahren auf der Games Convention in Leipzig. Man präsentierte damals in einer 30 minütigen Sitzung das Gameplay des spirituellen Nachfolgers von Fahrenheit / Indigo Prophecy. Mit großer Begeisterung verließ ich den Raum und wartete sehnsüchtig auf die Veröffentlichung. Heute angekommen, nach einmaligem Durchspielen der Vollversion, ist die Begeisterung für Heavy Rain um kein bisschen gesunken.
 
Playstation-Zocker sind es mittlerweile gewohnt nach dem Einlegen des Spieles einige Minuten an Wartezeit für die Installation der Software in Kauf zu nehmen. Anstatt sich die Zeit mit Bildschirmstarren oder sonstigen Aktivitäten zu vertreiben, kann man in Heavy Rain die hohe Kunst von Origami erlernen. Mit dem mitgelieferten Faltpapier erschafft man mit ein wenig Geschick einen Vogel, der dann stolz auf die Konsole gestellt wird!
 


Auf den Spuren des Origami Killer
In einer kleinen Stadt in den USA geschehen seit geraumer Zeit in einem Armenviertel seltsame Morde. Die Leichen werden immer mit einer Origamifigur in der Hand vorgefunden, Verdacht auf Ertränkung. Nun liegt es an euch und den im Spiel vorkommenden Charakteren dem Täter auf die Schliche zu kommen. Es gibt insgesamt vier spielbare Personen, darunter drei Männer und eine Frau. Den Anfang macht Ethan Mars, Architekt und verheirateter Vater mit zwei Söhnen. Im ersten Kapitel wird man mit der Steuerung vertraut gemacht und erkennt sofort, dass Heavy Rain stark Richtung interaktiver Film geht. Man bewegt sich mit R2 und ändert die Richtung mit dem linken Stick, der den Kopf des Charakters repräsentiert. Man kann mit sehr vielen Objekten in seiner Umgebung interagieren. Dafür verwendet man entweder simples Drücken eines Facebuttons oder zum Beispiel eine Viertelkreisbewegung mit dem rechten Stick. Anfangs ist dieses Setup noch etwas gewöhnungsbedürftig, mit der Zeit wird man aber kaum mehr daran denken und geschmeidig durch die Stadt manövrieren.
 
Scott Shelby ist ein ehemaliger Polizist, der im Ruhestand als Privatdetektiv den Fall des Origami Killers aufgrund der betroffenen Familien selbst in die Hand nimmt und Nachforschungen anstellt. Ebenfalls zu den Hütern des Gesetzes gehörend ist FBI Profiler Norman Jayden, der mit Hilfe seines ARI-Systems (Added Reality Interface) der Polizei unter die Arme greift. ARI besteht aus einer Brille und einem Handschuh, die in Kombination zum Beispiel die Umgebung nach Spuren scannen und sofort analysieren können. Es werden später noch weitere Funktionen vorgestellt, doch diese muss man selbst erleben, so cool sind sie. Zu guter Letzt lernt der Spieler noch Madison Paige kennen, eine Fotojournalistin die alleine in der Stadt lebt. Unter Schlaflosigkeit leidend übernachtet sie manchmal in Motels und verwickelt sich früher oder später in den Origami Killer-Fall und beginnt mit ihren eigenen Untersuchungen.
 
 

Mit Quick Time Events zum Sieg
Heavy Rain macht sehr stark von Quick Time Events Gebrauch. Für alle, die mit dem System noch nicht vertraut sind, Folgend eine schnell Erklärung. Auf dem Bildschirm werden für diverse Aktionen Knöpfe des Controllers eingeblendet, die innerhalb kürzester Zeit zu drücken sind, gedrückt gehalten werden oder schnell hintereinander gedrückt werden müssen. Je höher der Schwierigkeitsgrad im Spiel ist, desto schneller muss man reagieren. Im Vergleich mit den meisten anderen Games muss man eine Szene allerdings nicht wiederholen sondern mit den Konsequenzen leben. Dies kann sogar bis zum Tod eines Charakters führen. Richtig gelesen, in Heavy Rain können Personen sterben und das Spiel setzt sich dennoch fort. Genau diese Eigenschaft motiviert aber ungemein zum mehrmaligen Durchspielen, da es etliche gravierende Situationen gibt, wo man sich nach der Entscheidung nicht mehr ganz sicher ist, das Richtige genommen zu haben. Wahrlich nervenzerreißend.
 
Die einzelnen Kapitel unterscheiden sich grob gesagt in Verfolgungsjagden und Untersuchungen. Diese zwei Grundkonzepte bieten genug Abwechslung, sodass man den Controller nicht mehr so schnell aus der Hand legen wird. Bei meinem ersten Durchspielen starben drei Menschen, darunter zwei absichtlich und einer, weil ein wichtiges QTE in die Hose ging. Die Augen standen nur so weit offen vor Staunen, die Situation wurde nicht sofort realisiert. Hier sei schnell gesagt, dass Heavy Rain nichts für Kinder ist, worauf auch der dezent rote 18er USK-Sticker auf der Verpackung hinweist.
 
Doch nicht nur QTE beeinflussen den Ausgang der Story, man muss auch bei den Konversationen gut aufpassen. Unterhält man sich mit einer anderen Person, werden Antwortmöglichkeiten in Form von Gefühlen zur Auswahl bereitgestellt. Man kann einfühlsam sein, präpotent und vieles mehr. Ab und zu werden die Icons dafür sogar zittern, was den aktuellen psychischen Zustand des Charakters widerspiegelt. Als nette Spielerei kann man je nach Lust und Laune die im Kopf herumschwirrenden Gedanken der Person abrufen um den Standpunkt aus ihrer Sicht zu hören.
 


Eine verregnete Stadt
Ein wichtiger Punkt bei Spielen wie Heavy Rain, die Realismus und Emotionen übermitteln möchten, ist die technische Seite. Die Umgebung und Charaktere haben ihren eigenen Charme und überzeugen von der ersten Minute. Doch leider hat das Spiel gerade wegen des versuchten Realismus so seine Probleme, da man als Mensch (oder vielleicht auch nur ich) einfach immer wieder Vergleiche mit der Wirklichkeit anstellt. Ist man über dies aber mal hinweg, fühlt man sich wegen der gezeigten Emotionen, Handlungen, Animationen und Story mitten im Geschehen. Die Synchronsprecher passen sehr gut zu den Personen und bieten sogar in den anderen Sprachen (ich spielte es auf Englisch) einen gewissen Grad an Professionalität. Oft muss man sich in Videospielen halbherzige deutsche Stimmen anhören, welche die Atmosphäre ungemein zerstören. Ich traue mich hier zu wetten, dass Fans diverser Games sicher einiges mehr auf dem Kasten haben als geldverdienende Sprecher und im Endeffekt sogar noch günstiger wären.
 
Fazit
Quantic Dream liefert mit Heavy Rain einen dramatischen Thriller der Extraklasse. Hat man sich an die Steuerung gewöhnt und ist den QTE nicht verhasst, so erwarten einen wunderbare Stunden an ebenso actionreicher wie emotionaler Unterhaltung. Ich empfehle beim ersten Durchspielen wenn möglich alle Charaktere am Leben zu halten, da das Game sonst schneller vorüber ist als einem lieb ist. Ich werde mir das Abenteuer auf jeden Fall noch einmal reinziehen und andere Wege einschlagen. Eine klare Kaufempfehlung von meiner Seite!  [ 8 ] 10: Sublime
  9: Outstanding
  8: Excellent
  7: Great
  6: Good
  5: Average
  4: Poor
  3: Terrible
  2: Awful
  1: Why bother?



  
 Tolle Atmosphäre
 Gut übermittelte Emotionen
 Gute Abwechslung an Spannung und Erholung
 
 Steuerung des Charakters ganz selten etwas träge